Ausbau der erneuerbaren Energien und Abschaffung der EEG-Umlage

Im Jahr 2030 soll der Bruttostrombedarf in Deutschland zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, wie die Ampel-Koalition in den Zielsetzungen ihres Koalitionsvertrags formuliert hat. Um das zu erreichen, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien massiv forciert und die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden. Ein erheblicher Anteil soll durch den Ausbau der Photovoltaik erfolgen, der sich bis 2030 auf rund 200 GW belaufen soll.

 

Umgesetzt werden soll dies mit Hilfe einer Photovoltaik-Pflicht. Künftig sollen alle geeigneten Dachflächen für die Solarenergie genutzt werden. Bei gewerblichen Neubauten wird dies künftig verpflichtend. Kinobetreiber*innen, die ein neues Filmtheater bauen, müssen in Zukunft die Installation eines PV-Anlage bereits in ihre Planung miteinbeziehen.

 

Bislang sind Betreiber*innen von Photovoltaikanlagen gesetzlich dazu verpflichtet, für den Eigenverbrauch ihres selbst erzeugten Stroms für jede bezogene Kilowattstunde eine EEG-Umlage zu entrichten. Die EEG-Umlage dient der Förderung der erneuerbaren Energien im Stromsektor. Als Berechnungsgrundlage für die EEG-Umlage dienen jeweils die Prognosen der zu erwartenden Einspeisung aus regenerativen Stromerzeugungsanlagen nach dem EEG und dem zu erwartenden Stromverbrauch.

 

Für das Jahr 2022 beläuft sich der prognostizierte Wert auf 239 Terawattstunden (TWh) Strom aus regenerativen Anlagen, was einer Gesamtfördersumme von 22,8 Milliarden Euro entspricht. Daraus würde sich für 2022 eine EEG-Umlage von 4,657 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) ergeben. Dieser Betrag wird jedoch durch den Bundeszuschuss in Höhe von 3,25 Milliarden Euro abgesenkt, der mit den Einnahmen aus der CO2-Bepreisung finanziert wird.

 

Die EEG-Umlage sinkt 2022 auf 3,723 Cent pro Kilowattstunde, was eine Reduzierung um 2,777 ct/kWh gegenüber den in 2021 erhobenen 6,5 ct/kWh bedeutet. Ob diese Kostenreduzierung in Form sinkender Strompreise auch an die Endverbraucher*innen weitergegeben wird bleibt fraglich, da diese Entscheidung den Energieversorgern obliegt. Die niedrigere EEG-Umlage reduziert in jedem Fall die Kosten für den Eigenverbrauch von Solarstrom, denn Betreiber*innen von Photovoltaikanlagen müssen ab einer Anlagengröße von 30 kWp jeweils 40 Prozent der regulären EEG-Umlage abführen.

Kinos, die für den selbst genutzten Strom vom eigenen PV-Dach 2021 eine EEG-Umlage von 2,6 ct/kWh entrichten müssen, zahlen dafür 2022 nur noch eine EEG-Umlage in Höhe von 1,489 ct/kWh. Ab 2023 entfällt die EEG-Umlage.

Ab 2023 wird die Finanzierung der EEG-Umlage nicht mehr über den Strompreis erfolgen, sondern aus Haushaltsmitteln des Bundes gespeist. Zum 1. Januar 2023 übernimmt der Energie- und Klimafonds (EKF) die Finanzierung, die sich aus den Einnahmen der Emissionshandelssysteme (BEHG und ETS) und einem Zuschuss aus dem Bundeshaushalt zusammensetzt. Im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) ist der nationale Zertifikatehandel für Brennstoffemissionen geregelt. Der Preis pro Tonne CO2-Äquivalent steigt von 25 Euro im Jahr 2021 bis 2025 schrittweise um jeweils fünf Euro.

 

Der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) ist das zentrale europäische Klimaschutzinstrument, das festlegt, wie viele Treibhausgas-Emissionen von den emissionshandelspflichtigen Anlagen insgesamt ausgestoßen werden dürfen. Die Emissionsberechtigungen können auf dem Markt frei gehandelt werden. Nach dem jahrelangen Preisverfall für Emissionsberechtigungen sind die Preise 2021 auf rund 55 Euro angestiegen.

 

Im Zuge des für 2030 anvisierten Kohleausstiegs soll auch die Förderung der erneuerbaren Energien auslaufen und das bestehende Strommarktdesign reformiert werden. Dazu gehört regenerativen Strom wirtschaftlich für die Sektorenkopplung zu nutzen, anstatt Strom aus Windenergieanlagen wegen Netzengpässen abzuregeln. Insgesamt sollen die Kapazitäten von Photovoltaik- und Windenergie von derzeit 110 bis zum Jahr 2030 auf 320 bis 350 Gigawatt steigen. Der massive Ausbau von Photovoltaik und Windkraft könnte nach Einschätzung der Analysten von Aurora Energy Research dazu führen, dass die Großhandelsstrompreise bis 2030 um 13 Prozent sinken.