Ausbau von Photovoltaik-Anlagen

Der Klimaschutzplan 2030 der Bundesregierung zeigt erste Wirkung. Der sogenannte Solardeckel wird gestrichen. Mit dieser Deckelung, die 2012 im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eingeführt worden ist, wurde bisher die Vergütung für eingespeisten Solarstrom begrenzt. Die Regelung sah einen Förderstopp für Photovoltaik-Anlagen bis 750 kWp (Kilowatt peak) vor, sobald die installierte Photovoltaik-Kapazität von 52 GW erreicht ist. Nach Auskunft der Bundesnetzagentur belief sich die installierte Photovoltaik-Kapazität in Deutschland bereits Ende Januar 2020 auf knapp 49,6 GW. Bei einer Neuinstallation von rund 500 MW im Monat wäre der Solardeckel bereits im Juni 2020 erreicht worden, was auch für kleinere Anlagen auf Gewerbedächern ab dem 1. August 2020 das Ende der Einspeisevergütung bedeutet hätte.

 

Nach der Abschaffung des 52-GW-Deckels bleibt mit dem im EEG verankerten atmenden Deckel eine weitere Hürde für den PV-Ausbau in Deutschland bestehen. 
Der atmende Deckel für PV-Anlagen sieht eine monatliche Vergütungsabsenkung in Abhängigkeit vom PV-Zubau vor. Sofern der Ausbau der Photovoltaik-Produktion den gesetzlich vorgegebenen Deckel von derzeit 1,9 GW nicht übersteigt, sinkt die Einspeisevergütung für den eingespeisten Solarstrom um 0,5 Prozent pro Monat. Werden hingegen mehr Solaranlagen gebaut, sinkt die Einspeisevergütung für den Solarstrom um bis zu 2,8 Prozent monatlich, so dass sich Neuanlagen nicht mehr rentieren, die ihren Strom komplett ins öffentliche Netz einspeisen. Zu diesem Ergebnis kommt die im Frühjahr 2020 veröffentlichte Deckelstudie der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele müsse mittelfristig eine installierte PV-Leistung von jährlich mehr als 20 GW realisiert werden. Um das zu erreichen, sei eine Steigerung des PV-Zubaus von 30 Prozent pro Jahr erforderlich.

 

 

Nachdem die schwäbische Universitätsstadt Tübingen als erste deutsche Kommune 2018 eine Solarpflicht für neu gebaute Wohnhäuser eingeführt hat, ziehen nun erste Bundesländer nach. Im Dezember 2019 hat der Hamburger Senat in Rahmen seines neuen Klimaplans beschlossen, dass die Installation von Photovoltaik-Anlagen ab 2023 für alle Dächer von gewerblichen und privaten Neubauten Pflicht wird. Ab 2025 soll die Solarpflicht in der Hansestadt auch bei Dachsanierungen gelten, wenn die Dachhaut komplett erneuert wird. In Baden-Württemberg wird bereits ab 2022 eine Solarpflicht für Neubauten von Nicht-Wohngebäuden eingeführt, die mit ihren großen Dachflächen ein beträchtliches Potential für PV-Anlagen bieten. Auch in Berlin erwägt der Senat die Einführung einer Solarpflicht. Dem Berliner Energieatlas zufolge wären in Berlin insgesamt 2.400 Hektar an Dachflächen für die Installation von Solaranlagen geeignet.