Das Lichtmess Kino nutzt Niederschlagswasser für WC-Spülung

Best Practice-Beispiel

Im Hamburger Lichtmess Kino werden die Toiletten mit Niederschlagswasser gespeist, das dort in den unterirdischen Tanks der Regenwassernutzungsanlage gesammelt wird. „Dieses System besitzt den Vorteil, dass die Nutzung des Regenwassers kostenlos ist und kein wertvolles Trinkwasser aus der Nordheide durch die Toilette gespült wird“, erklärt Carsten Knoop, der zusammen mit Dorit Kiesewetter seit 1991 das Hamburger Off-Kino Lichtmess betreibt.

Wasser ist eine wertvolle Ressource, die nach den Trocken- und Dürreperioden in den Jahren 2018 und 2020 in der norddeutschen Metropole knapper wird. Die Trinkwasserversorgung in Hamburg sei sichergestellt, betont Michael Pollmann, Staatsrat in der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft und Aufsichtsratsvorsitzender von Hamburg Wasser. Wassersparen ist das Gebot der Stunde, da im Spätherbst, Winter und im frühen Frühjahr inzwischen weniger Regen fällt. Der November 2020 war der niederschlagsärmste November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Diese Entwicklung lässt sich auf den Klimawandel zurückführen. An heißen Tagen steigen zudem die Verbräuche. Die Anzahl der Tage, an denen der Wasserverbrauch bei mehr als 400.000 Kubikmetern liegt, hat sich in den letzten drei Jahren verzehnfacht. Dieser hohe Wasserverbrauch ist nur zu bewältigen, wenn die Technik unter Vollast läuft. Bei Verbräuchen von 450.000 Kubikmetern pro Tag muss Hamburg Wasser an die Reserven gehen. Um auch künftig die Anforderungen erfüllen zu können, werden in der norddeutschen Metropole in den nächsten fünf Jahren rund 50 Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau von Brunnen investiert.

Die Nutzung von Niederschlagswasser trägt zum Erhalt des Grundwasserhaushalts bei und entlastet die Kanalisation bei Starkregen. Dies ist finanziell attraktiv, da immer mehr Gemeinden bei den Abwassergebühren zwischen Schmutzwasser- und Niederschlagswassergebühren unterscheiden. Durch die Nutzung einer Regenwassernutzungs- oder Versickerungsanlage entfallen die Niederschlagswassergebühren für bebaute und versiegelte Flächen ganz bzw. teilweise.

Das Lichtmess Kino profitiert davon, dass die Betreiber des Werkhof in Hamburg-Ottensen bereits Mitte der 1980er Jahre eine Regenwassernutzungsanlage installiert haben. Die Kosten für die gesamte Anlage, zu der neben den Tanks im Erdboden außerdem eine Pumpstation für das Brauchwasser sowie Rohrleitungen zu den einzelnen Zapfstellen gehören, belief sich damals auf rund 60.000 DM. Den Einbau haben Manfred Stawitz und die Mitbegründer des Werkhofs selbst vorgenommen. Die unterirdischen Zisternen besitzen ein Fassungsvermögen von 14 Kubikmetern. „Sie sind erst vollständig entleert, wenn es zwei Wochen lang nicht geregnet hat”, sagt Manfred Stawitz.

  • Manfred Stawitz im Werkhof beim Einbau der Regenwassertanks in den 1980er Jahren
    Fotos: © Manfred Stawitz/Werkhof

Der Strom, der für den Betrieb der elektrischen Pumpe der Regenwassernutzungsanlage eingesetzt wird, stammt aus erneuerbaren Energien. Die 1,4 kW, die mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Werkhofs erzeugt werden, sind dafür ausreichend. Jährlich produziert die Solaranlage rund 1.000 kWh. Den übrigen Strom beziehen die Werkhof-Bewohner aus einem hauseigenen Blockheizkraftwerk, das ihnen auch die Wärme für die Heizung liefert. „Insofern sind wir energetisch nahezu autark“, resümiert Manfred Stawitz. Wir produzieren sogar rund 20 Prozent Überschusswärme, die wir an einen benachbarten Kindergarten abgeben.“

  • Die elektrische Pumpe der Regenwassernutzungsanlage wird mit PV-Strom vom Dach gespeist
    Foto in der Mitte: © G. Wolf/Werkhof, Fotos links und rechts: © GFS