Ein neuer Baum für jeden DCP-Auftrag

Best Practice-Beispiel

Um die CO2-Emissionen zu kompensieren, die bei der Herstellung von digitalen Filmkopien entstehen, pflanzt Björn Koll mit der DCS Digital Cinema Services GmbH für jeden DCP-Auftrag einen Baum. Auf seinem ein Hektar großen Gelände in der Schorfheide im Norden von Berlin sind in dem letzten vier Jahren mehr als 2.000 Heistern gesetzt worden. „Ich pflanze eine sechs Meter breite Vogelschutzhecke“, berichtet Björn Koll, der als Geschäftsführer von Salzgeber & Co. Medien GmbH 2004 die Tochterfirma DCS Digital Cinema Services GmbH gegründet hat.

 

Den frisch gepflanzten Jungbäumen, die aus dem benachbarten Forst stammen, sind jeweils die Filmtitel vom DCP-Auftrag zugeordnet. Da steht der Wildapfel Nurejew neben dem Speierling Liberace, der Schlehe Mapplethorpe, der Wilden Johannisbeere Happy Ending, dem Ginster La Belle Saison, der Eiche Panzerkreuzer Potemkin, der Buche Checker Tobi, der Wildkirsche Fikkefuchs, dem Weißdorn Amelie rennt, der Kupferfelsenbirne Rhinland. Fontane, dem Wolliger Schneeball Varda par Agnés, dem Ginkgo Gestrandet, dem Rotdorn Eine fantastische Frau, dem Flieder Murnau oder der Mispel Ein neues Leben.

 

Die Mischung aus den vielen unterschiedlichen Baumarten sorgt für mehr Artenvielfalt in der Tierwelt. „Bereits innerhalb eines Jahres ist die Anzahl an Schmetterlingen gewachsen und der Boden ist viel lebendiger“, sagt Björn Koll. „Es haben sich Eidechsen angesiedelt und auch eine Kreuzotter ist bei uns durchgezogen.“ Die größere Vielfalt an Insekten lockt Vögel an, die auf den größeren Bäumen bereits Landeplätze finden. „Abend kommen Schwärme von Schwalben und nachts die Fledermäuse.“

 

Der sandige, trockene in der Schorfheide erschwert allerdings die Pflanzung von Bäumen. Da es aufgrund des kontinentalen Klimas in der Region wenig regnet, benötigen die wurzelnackten Bäumchen eine entsprechende Pflege. Viele der Heistern werden Opfer von Trockenheit oder der durchziehenden Hirsche. Nur etwa ein Zehntel der bepflanzten Fläche wird mit einem Tröpfchenschlauch automatisch bewässert. „Das Gießen ist kontemplative Arbeit“, sagt Björn Koll. „Wir haben das Glück, dass es in unserer Gegend sehr viel Mischwald gibt, wo sich die Feuchtigkeit länger hält und es auch Wasserlöcher gibt.“ Der Waldumbau einer Kiefernmonokultur, wie sie in großen Teilen der Schorfheide vorzufinden ist, dauert lange.

 

Wie viel Kohlenstoffdioxid in Bäumen gebunden wird, hängt jeweils von der Baumart, dem Alter des Baumes sowie der jeweiligen Holzdichte ab. Eine nennenswerte Bindung von CO2 findet erst im fortschreitenden Alter der Bäume statt. Eine 35 m hohe Fichte, die 100 Jahre alt ist und deren Biomasse über ein Trockengewicht von knapp 1,4 t aufweist, hat 0,7 t Kohlenstoff gespeichert und beim Umrechnungsfaktor 3,67 insgesamt 2,6 Tonnen CO2 absorbiert. Eine 35 m hohe Buche, die über ein Trockengewicht von 1,9 t verfügt und rund 0,95 t Kohlenstoff bindet, speichert aufgrund ihrer größeren Holzdichte hingegen 3,5 t CO2. Auf einer Waldfläche von einem Hektar werden über alle Baumarten, Altersklassen und Standorte hinweg pro Jahr rund 13 Tonnen CO2 gespeichert.

 

Der Umgang mit dem Wald wird in Deutschland durch das Bundeswaldgesetz und die Waldgesetze der Länder geregelt. Der Bestand in den deutschen Wäldern, der 90 Milliarden Bäume umfasst, wird im Zuge der Bundeswaldinventur ermittelt, die gemäß dem Bundeswaldgesetz § 41a alle zehn Jahre erfolgt. Nach der dritten Bundeswaldinventur, für die im Zeitraum 2011/2012 rund 420.000 Bäume an etwa 60.000 Stichprobenpunkten vermessen worden sind, wird am 21. April 2021 die vierte Bundeswaldinventur beginnen.

 

In Deutschland bestehen bislang über 41 Prozent der Wälder aus Fichten, die bei Orkanen unter massive Schädigungen leiden. Da Experten bis Ende des Jahrhunderts mit einem Anstieg der Jahresmitteltemperatur um mindestens zwei Grad Celsius rechnen und die Sommerregen geringer ausfallen, setzen Förster und Waldpfleger bei der Aufforstung auf klimadynamische Wälder, die aus einer Mischung aus Laub- und Nadelhölzern bestehen. Um herauszufinden, welche Baumarten im Wald der Zukunft stehen sollten, wird in Waldklima-Stationen und bei verschiedenen Anbauversuchen getestet, welche Bäume steigenden Temperaturen, heftigen Stürmen, längeren Trockenperioden und neuen Schädlingen und Krankheiten trotzen können.