Flächen- und Ressourceneffizienz im Franz und Gloria

Best Practice-Beispiel

Beim Ausbau des Cineplex Bayreuth hat der Kinobetreiber Michael Thomas auf eine Ausschöpfung der Flächen- und Ressourceneffizienz gesetzt. Auf dem Flachdach sind fünf neue Premium-Kinosäle mit 186 Plätzen und einer 250 qm großen Gastronomiefläche mit Dachterrassen-Außenbereichen errichtet worden. Die Nachverdichtung an einem innerstädtischen Standort ermöglicht es, bereits vorhandene Ressourcen wie die bestehende Infrastruktur und die Einbindung in den städtischen Raum auszunutzen.

 

„Um den Flächenbedarf für das Franz und Gloria mit fünf Kinosälen und dem Gastronomiebereich möglichst kompakt planen zu können, haben wir auf Vorführräume verzichtet“, erklärt Michael Thomas. „Die Projektoren sind in Boxen in den Sälen integriert.“ Bei dieser All-in-One-Lösung befinden sich die Projektoren in einem Stahlkasten, der an der Rückwand im Kinosaal befestigt ist. Die Zu- und Ableitung der Wärme erfolgt über zwei Stutzen. Der Stahlkasten ist 1,20m lang, knapp 1m breit, 90 cm hoch und ohne Projektor 330 Kilo schwer.

Das Gewicht des gesamten Aufbaus, den das Bestandsgebäude zu tragen hat, war bei diesem Projekt eine entscheidende Komponente. „Bei der statischen Prüfung wurde das Tragwerk detailliert untersucht, um Lastreserven zu lokalisieren und somit eine sinnvolle Ableitung der Kräfte in die Fundamente sicherzustellen“, erläutert der Inhaber des Cineplex Bayreuth. „Die Lösung dieses Problems war die Verlagerung der bestehenden Lüftungszentrale in einen Gebäudeteil, der weniger lastempfindlich ist.“

 

Trotz der ermittelten Lastreserven musste eine möglichst leichte Bauweise gewählt werden, um die Vorgaben der Tragwerksplanung umzusetzen. Für die Böden, Wände, Decken und das Dach wurde deshalb eine leichte Holzkonstruktion aus Brettsperrholzelementen verwendet. Der gesamte Holzbau basiert auf einem Stahlrost, der die Lasten gezielt in das Bestandsgebäude ableitet. Die Bauteile hat eine Holzbaufirma in der Region vorgefertigt. Das dafür eingesetzte Fichtenholz stammt von einem Holzlieferanten aus der Oberpfalz.

Holz ist als nachwachsender Rohstoff nicht nur ein umweltfreundliches Baumaterial, sondern es wird auch für akustische Instrumente eingesetzt, weil es den Klang leitet. Bei Vibrationen des Holzes reiben sich die Zellwände aneinander und der Ton verklingt nach einer gewissen Zeit durch den Abbau der Schwingungsenergie. Um die Kinosäle im Franz und Gloria effizient vor störenden Geräuschen und Vibrationen zu schützen, ist jeder Saal schwebend aufgehängt. Für die Isolierung von Schwingungen sorgt der Schalldämmstoff Sylomer, der als elastisches Federungsmaterial zwischen der Stahlfassade und der Holzkonstruktion eingebracht worden ist.

 

Die Innenräume sind mit Heraklith-Holzwolleplatten gedämmt, die hauptsächlich aus dem Dämmstoff Holzwolle sowie mineralischen Bindemitteln wie Zement oder Magnesit bestehen und einen hohen Brand-, Wärme- und Schallschutz aufweisen. Aufgrund ihrer feinen Oberflächenstruktur, die den Wänden eine besondere Note verleiht, werden sie als „Sauerkrautplatten“ bezeichnet. „Wir haben in den Kinosälen auf eine Wandbespannung verzichtet und die Platten schwarz angestrichen“, sagt Michael Thomas, „was eine gute Mischung aus rustikaler Wand und feinem Interieur ergibt.“

 

Die unverkleideten Rohre der Lüftungsanlage verleihen dem Foyer im Franz und Gloria einen Hauch von Industrie-Look, der mit einem Design im Stil der 1920er Jahre gepaart ist. Im Zentrum des großzügigen Foyers befindet sich die Bar, an der sämtliche Getränke und Snacks in in Flaschen, Gläsern oder Porzellan serviert werden.