BPA-Verbot im Thermopapier

Die Aushändigung von Kassenbons ist ab Januar 2020 im Kino sowohl an der Kasse als auch an der Concession-Theke Pflicht. Solange keine Befreiung von der Bonpflicht erfolgt ist, müssen die Kinos ihren Kunden für jeden Zahlungsvorgang einen Beleg aushändigen. Kinos, die Thermodrucker im Einsatz haben, sind gefordert, für die Bonrollen BPA-freies Thermopapier zu verwenden. Ab Januar 2020 tritt EU-weit das Verbot von Bisphenol-A in Kraft, einer aus Phenol und Aceton synthetisch hergestellten Chemikalie, die sowohl als Ausgangsstoff für Kunststoffe und Beschichtung verschiedener Materialien wie Getränkeflaschen und Lebensmittelverpackungen sowie als Farbentwicklerkomponente in Thermopapier Verwendung findet.

 

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat BPA als sogenannten endokrinen Disruptor eingestuft, der im Körper eine östrogenähnliche Wirkung hat. Schon durch das Anfassen eines Bons von nur fünf Sekunden wird über die Haut eine beträchtliche Menge BPA aufgenommen. In der Europäischen Chemikalienverordnung REACH steht BPA auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe, da es unter anderem Krebserkrankungen, Diabetes oder Stoffwechselstörungen auslösen kann.

Die hormonelle Wirkung von BPA wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem eine Untersuchung, die das Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie im April 2018 im Auftrag des Umweltbundesamts vorgenommen hat. Das BPA-haltige Thermopapier für Kassenbons, Parktickets oder Fahrkarten kann durch falsche Entsorgung in den Papierkreislauf gelangen. Die REACH-Verordnung, die ab Januar 2020 in Kraft tritt, sieht ein Verbot von Thermopapier vor, das mehr als 0,02 Prozent BPA enthält.

 

Nach einer Erhebung der ECHA sind in der EU 2018 rund 491 Kilotonnen Thermopapier zum Einsatz gekommen. Der Marktanteil von BPA-haltigen Thermopapier belief sich auf 48 Prozent. Neben Bisphenol A gibt es noch weitere Phenole wie Bisphenol S oder Bisphenol C, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen können, aber weiterhin in allen EU-Mitgliedsstaaten verwendet werden dürfen. Eine gesundheitsunbedenkliche und umweltschonende Alternative sind BPA- und komplett phenolfreie Thermorollen, die in der EU 2018 über einen Marktanteil  von 31 Prozent verfügten.