EU-Kommissison plant Mindeststandards für Bestandsgebäude

Mit der Überarbeitung der Europäischen Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) will die EU-Kommission den bestehenden Rechtsrahmen modernisieren, um die ehrgeizigen Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen. Bis zum Jahr 2050 wird eine vollständige Dekarbonisierung des Gebäudebestands in Europa angestrebt.

 

Die Beheizung, Kühlung und der Strombedarf von Gebäuden sind für 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der CO2-Emissionen in Europa verantwortlich. Drei Viertel aller Gebäude in der EU sind nicht energieeefizient. Um die Renovierungsquote im Gebäudebereich zu erhöhen, plant die EU Mindeststandards für Bestandsgebäude einzuführen. Die gesetzlichen Anforderungen sollen durch eine Unterstützung von Anschubinvestitionen sowie finanzielle Hilfe durch die EU-Staaten flankiert werden.

Ein Gebäude in der niedrigsten Energieklasse verbraucht zehnmal mehr als ein Gebäude in der höchsten Klasse. Frans Timmermans, Vize-Präsident der EU-Kommission

Für Gebäude, deren Gesamtenergieeffizienz mit G oder F eingestuft ist, soll es nach den Plänen der EU-Kommission künftig eine Renovierungspflicht geben. Insbesondere öffentliche Gebäude und Nichtwohngebäude müssen renoviert werden und sich bis spätestens 2027 mindestens auf das Gesamtenergieeffizienzniveau F und bis spätestens 2030 auf das Niveau E verbessern.

 

In Deutschland werden etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2- Emissionen durch Gebäude verursacht. Da die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor in den letzten Jahren nur geringfügig gesunken sind, müssen erhebliche zusätzliche Anstrengungen geleistet werden, um das im Klimaschutzgesetz (KSG) festgeschriebene Sektorziel für 2030 zu erreichen.

In der Kurzstudie Weißbuch Green Recovery – Wirtschaft hoch, CO2 runter kommen die Deutsche Unternehmensinitiative (DENEFF), das Öko-Institut und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI zu dem Ergebnis, dass durch die Einführung von energetischen Mindeststandards für Bestandsgebäude (MEPS) bis zum Jahr 2030 11,5 Millionen CO2-Äquivalente in Deutschland eingespart werden können.

 

Nach den Berechnungen des Umweltbundesamts sind im Jahr 2020 vom Gebäudesektor in Deutschland 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert worden. Damit hat der Gebäudesektor sein Einsparziel für 2020 nach dem Klimaschutzgesetz (KSG) von 118 Millionen Tonnen Treibhausgasen nicht erreicht. Gemäß den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes sollen die Restemissionen des Gebäudesektors für das Jahr 2030 auf 67 Tonnen CO2-Äquivalente reduziert werden. Dies entspricht einer Minderung von 53 Millionen Tonnen (44 Prozent) gegenüber dem Ausgangswert von 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2020.

 

Die dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität kommt zu dem Ergebnis, dass zur Reduzierung der Emissionen im Gebäudesektor umfassende Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeschutzes, der verbauten Anlagentechnik und der zum Einsatz kommenden Brennstoffe erforderlich sind. Mit Maßnahmen wie einer verstärkten energetischen Sanierung der Gebäudehülle und dem Einbau effizienter Erzeuger mit Verwendung erneuerbarer Energien könnten bis 2030 eine Einsparung um 46,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente erzielt werden.

 

Durch den Einsatz klimaneutraler Energieträger lassen sich die Emissionen um weitere 6,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente mindern. Zudem wird in dem Bericht der Deutschen Energie-Agentur empfohlen, den Einsatz von Wärmepumpen, den Ausbau der Anschlüsse an Wärmenetze und die Nutzung von gebäudeintegrierten Photovoltaik-Anlagen massiv voranzutreiben.

 

Um bis 2050 eine Dekarbonisierung im Gebäudesektor zu erreichen, sollen die Mitgliedstaaten im Rahmen neuer nationaler Gebäuderenovierungspläne spezifische Zeitpläne für die Erreichung höherer Gesamtenergieeffizienzklassen festlegen. Zudem können sie im Rahmen ihrer nationalen Gebäuderenovierungspläne nationale Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz definieren. Über die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden müssen im nächsten Schritt der Europarat und das Europäische Parlament beraten.