Mehr Verpackungsrecycling durch digitale Wasserzeichen

Die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie, die ab 2025 europaweit feste Quoten für den Rezyklatanteil in PET-Flaschen vorschreibt, zeigt schon vorab Wirkung. Recycling wird bei den strategischen Entscheidungen großer Getränkekonzerne immer mehr ein Thema. Als erstes Unternehmen will PepsiCo Deutschland ab Ende 2021 für alle Getränkeflaschen seiner kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränke ausschließlich 100 Prozent recyceltes Plastik (rPET) verwenden.

 

Das Unternehmen hat angekündigt, sieben Millionen Euro in Deutschland zu investieren, um sämtliche Getränkeflaschen seiner CSD-Getränkemarken (Carbonated Soft Drink) aus recyceltem Platik zu produzieren. Durch diese Maßnahme werden 15.000 Tonnen Neuplastik pro Jahr eingespart, was einer Menge von etwa 12,42 Millionen Lego-Steinen gleichkommt. Dies ist mit einem CO2-Äquivalent von 28.500 Tonnen verbunden, was dem CO2- Ausstoß von 6.200 Autos im Jahr entspricht. Mit dieser Ankündigung übertrifft PepsiCo seine bisherige Zielsetzung, bis zum Jahr 2030 in der gesamten EU 50 Prozent rPET zu verwenden.

 

Um den Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft voranzubringen, sieht die EU im Rahmen des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft feste Quoten für den Anteil von Rezyklaten vor. Im ersten Teil des Stufenplans wird ab 2025 ein Anteil von 25 Prozent recyceltem Kunststoff in PET-Flaschen vorgeschrieben. Ab 2030 müssen Plastikflaschen einen Rezyklatanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen. Die Mindestquote für die getrennte Sammlung von Plastikflaschen soll sich in der EU bis 2025 auf 77 Prozent belaufen und wird bis 2029 auf 90 Prozent erhöht. Hinzu kommen Vorschriften für das Produktdesign, denen zufolge die Deckel künftig fest an den Getränkeflaschen angebracht werden müssen.

 

„Die effektive Sortierung von Abfällen ist bislang ein Hindernis für ein umfangreiches Recycling von Verpackungsmaterialien in Europa”, sagt Silviu Popovici, CEO von PepsiCo Europe. Um im Sinne einer Kreislaufwirtschaft mehr hochwertige Kunststoffe recyceln zu können, müssen die Verpackungsabfälle besser sortiert werden. Die Förderung von einem qualitativ hochwertigem Verpackungsrecycling in der EU gehören zu den Zielsetzungen des Holy Grail-Konsortiums, das digitale Wasserzeichen auf Verpackungen testet. PepsiCo gehört zu den Unternehmen, die im Rahmen dieses Pilotprojektes ab 2021 digitale Wasserzeichen auf ihren Produktverpackungen einsetzen.

 

Diese unsichtbaren Codes, die Informationen zum Hersteller, Produkt, Materialtyp sowie der Lebensmittelechtheit des Materials enthalten, befinden sich auf der Oberfläche der Verpackung. Das Scannen der Verpackungen ermöglicht es, das Material anhand der Informationen richtig zu sortieren. Enwickelt worden ist diese Technologie von der Ellen MacArthur Foundation, die 2016 in einer Studie gewarnt hatte, dass es bei einer Beibehaltung der linearen Wirtschaft Mitte dieses Jahrhunderts mehr Plastik als Fische im Meer geben wird.

 

 

PepsiCo strebt an, dass seine gesamten Verpackungen in Zukunft zu 100 Prozemt wiederverwertbar, kompostierbar oder biologisch abbaubar sein sollen. Diese Anstrengungen erfordern entsprechende Veränderungen in der gesamten Verpackungslieferkette. Derzeit arbeiten verschiedene Firmen an der Erstellung von CEFLEX-Richtlinien (Circular Economy for Flexible Packaging), welche die recyclingfähige Gestaltung flexibler Verpackungen unterstützen sollen. Außerdem investiert der Getränkekonzern in das Pulpex-Konsortium, das die weltweit erste weitestgehend recycelbare Papierflasche entwickeln und produzieren will.

 

Getränkeverpackungssysteme aus Nachhaltigkeitssicht

Der Studie Mehrweg- und Recyclingsysteme
 für ausgewählte Getränkeverpackungen aus Nachhaltigkeitssicht zufolge, die PricewaterhouseCoopers im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe  erstellt hat, sind Mehrweggetränkeverpackungen in ökologischer Hinsicht Einwegverpackungen überlegen, solange sie nicht über sehr lange Transportentfernungen distribuiert werden. Durch die vielfache Wiederverwendung werden grundsätzlich weniger Ressourcen verbraucht und weniger klimaschädliche Treibhausgase produziert als bei nur einmal befüllten Einweggetränkeverpackungen. Nach einer Ökobilanz des Umweltbundesamts, in die Herstellung, Abfüllung, Transport und Entsorgung über die gesamte Lebensdauer einbezogen wurden, benötigt eine PET-Mehrwegflasche im Vergleich zu einer PET-Einwegflasche pro 1.000 Liter Füllgut rund 40 Prozent weniger Rohstoffe und emittiert nur halb soviel klimaschädliche Treibhausgase.

Aufgrund der Material- und Hygieneeigenschaften können Glasmehrwegflaschen bis zu 50 Mal länger im Umlauf verbleiben als PET-Mehrwegflaschen.

Die Umlaufzahl hängt von der Bruchsicherheit, Stabilität der Verpackung sowie der Abnutzung des Materials ab. Der Einsatz von Mehrweggetränkeverpackungen erfordert Investitionen in Waschanlagen, Pool-Flaschen und Logistikstrukturen, während die Betriebskosten für die Abfüllung geringer sind. Die ökonomischen Wirkungskategorien sind zudem von den jeweiligen Transportdistanzen abhängig. Der überregionale Vertrieb mit durchschnittlichen Transportdistanzen bis 600 km mindert nicht zwangsläufig die ökologische Effizienz von Mehrwegsystemen. Mit standardisierten Pool-Flaschen können Mehrwegsysteme sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht effizient betrieben werden. Die Quintessenz dieser Analyse lautet, dass Mehrweg ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen mit regionalen Produktions- und Distributionsstrukturen, aber auch für internationale Konzerne mit mehreren regionalen Abfüllstandorten sein kann.