Neue Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft

Mit einem Gesetzesentwurf zur Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes will das Bundesumweltministerium die Abfallvermeidung verbessern und das Recycling verstärken. Um diese Ziele zu erreichen, sind drei zentrale Maßnahmen geplant. Die 6.000 Beschaffungsstellen in Bundesbehörden sollen Produkte bevorzugen, die rohstoffschonend, abfallarm, reparierbar, schadstoffarm und recyclingfähig sind. Mit der sogenannten Obhutspflicht soll eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden, um die Vernichtung von Retouren und Warenüberhängen zu unterbinden. Unternehmen, die Einwegprodukte wie To-Go-Becher in Verkehr bringen, sollen sich künftig an den Reinigungskosten von Parks und Straßen beteiligen.

 

Die Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft sehen vor, wertvolle Wertstoffe zu erhalten und wieder einzusetzen. Allerdings erweist es sich bei zahlreichen Produkten aufgrund ihres komplexen Materialaufbaus das Recycling als schwierig. Dazu zählen Kombidosen aus verschiedenen Komponenten wie einem Alu-Verbund aus Alu und Polyethylen (PE), einem Verbund aus PE und Karton, während der Boden aus Weißblech und der Deckel aus den thermoplastischen Kunststoff Polypropylen (PP) bestehen. Erschwerend hinzu kommt dabei das Gewicht, durch das höhere Transportkosten verursacht werden.

„Kunststoffverpackungen aus der Wertstoffsammlung des dualen Systems lassen sich in den Kreislauf zurückführen“, sagt Helmut Spaeter, Geschäftsführer des Unternehmens Barriopac. Zu den jüngsten Innovationen gehört ein neues Beschichtungsverfahren für PET-Flaschen, das es ermöglicht, die Flaschen zu hundert Prozent zu recyceln. Bisher sorgten Additive für eine wirkungsvolle Barriere, um Aromen oder Kohlensäure zu erhalten.

 

Bei dem neuen Verfahren wird durch eine hauchdünne Schutzschicht aus Siliziumoxid (SiOx) auf der Innenwand der PET-Flaschen sichergestellt, dass kein Sauerstoff in die Flasche gelangt, durch den Vitamine und Geschmack verloren gehen. Während die Zusätze bisher eine sortenreine Wiederaufbereitung des PET-Materials verhinderten, kann die Beschichtung jetzt im Standardverfahren durch Lauge abgewaschen werden, um sortenreines PET zu erhalten, das vollständig wiederverwertbar ist.

 

„Das Plastikmüllproblem ist ein Sortierproblem“, versichert Jochen Mößlein, Geschäftsführer und Gründer der Polysecure GmbH. Mit seiner Firma hat er ein Verfahren entwickelt, um das Recycling von Kunststoffen durch Codierung zu verbessern. „Kreislaufwirtschaft erfordert Disziplin. Es reicht nicht, Polyethylen einzusammeln und zu glauben, dass sich daraus wieder Verpackungen produzieren lassen.“

 

Sein Verfahren entwickelt, bei dem das Material mit Hilfe von fluoreszierenden Markern identifiziert wird, ermöglicht es, viele verschiedene Kunststoffe sortenrein und schnell zu sortieren. Die fluoreszierende Farbe wird über das Etikett auf die Verpackung aufgetragen. Für die Entwicklung dieser innovativen Sortiertechnologie, durch die Kunststoffabfälle in bis zu 50 verschiedene Fraktionen getrennt werden können, ist er 2017 vom Bundesumweltministerium mit dem StartGreen Awards ausgezeichnet worden.

 

Coca Cola würde gerne seine Flaschenverschlüsse aus Hart-Polyethylen wiederverwenden, die sich aber nicht aus dem herkömmlichen PE-Abfall extrahieren lassen. Die Flaschenverschlüsse aus Hart-Polyethylen enthalten ein spezielles Sauerstoffbarriere-Additiv, das störende Substanzen wie Sauerstoff aufnimmt, so dass der frische Geschmack des Getränks erhalten bleibt. Das „Tracer Based Sorting“-System lässt sich auch dafür einsetzen, Inverkehrbringer zu identifizieren, die ihr Produkte ohne Lizenzabgabe in den Markt bringen. „Darüber lässt sich an jeder Sortiermaschine erkennen, wer ist Mitglied im System ist.“

Die Recyclingcodes für Kunststoffe

Code-Nr 1   PET Polyethylenterephtalat
Code-Nr 2   HDPE Polyethylen hoher Dichte
Code-Nr 3   PVC Polyvinylchlorid
Code-Nr 4   LDPE Polyethylen niedriger Dichte
Code-Nr 5   PP Polypropylen
Code-Nr 6   PS Polystyrol
Code-Nr 7   O Andere Kunststoffe