Sinkende EEG-Umlage, steigende Energiekosten

Beim EU-Umweltrat in Brüssel sind die europäischen Klimaziele, mit denen bis zum Jahr 2050 eine Treibhausgasneutralität angestrebt wird, erstmals rechtsverbindlich festgeschrieben worden. Unter Leitung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze haben sich die EU-UmweltministerInnen darauf geeinigt, dass die Treibhausgasemissionen der EU um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 sinken sollen.

 

“Für das kommende Jahrzehnt bedeutet das nichts weniger als eine Verdopplung unseres Tempos beim Klimaschutz. Alle EU-Länder werden mehr tun als bisher. Auch Deutschland wird beim Klimaschutz mehr beitragen müssen als die bislang beschlossenene 55 Prozent Treibhausgas-Minderung”, erklärt Bundesumweltministerin Svenja Schulze. “In allen Bereichen werden jetzt zusätzliche energische Klimaschutzschritte folgen müssen: bei der Energiewende, im Verkehr und bei Gebäuden ebenso wie bei allen Industrieprozessen.“

 

Parallel dazu hat der Bundestag die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen, in der bislang noch kein Ausbaupfad für die erneuerbaren Energien definiert ist. Um die EU-Klimaziele und die Anforderungen an das Pariser Klimaabkommen zu erreichen, müssten die aktuellen Ausbauziele der erneuerbaren Energien um das Dreifache erhöht werden.

 

Die Änderungen im neuen EEG betreffen Photovoltaikanlagen, die ab dem 1. Januar 2021 nach 20 Jahren Betrieb aus der EEG-Förderung fallen. Diese Regelungen sind für viele Pioniere im Ökostrombereich relevant, die schon frühzeitig bei der Stromerzeugung  auf erneuerbare Energien gesetzt haben. Im Gesetzesentwurf war ursprünglich vorgesehen, dass bereits Kleinstanlagen ab einem Kilowatt (kW) zur Installation intelligenter Messsysteme (iMSyS) verpflichtet werden. Bestandsanlagen, die vor 2021 in Betrieb genommen worden sind, müssen nun doch nicht umgerüstet werden. Ein sogenanntes Smart Meter zur Überprüfung der Einspeiseleistung wird erst bei neuen Anlagen ab 25 kW vorgeschrieben. Betreiber einer PV-Bestandsanlage, die ihren Strom selbst nutzen, müssen dafür keine EEG-Umlage entrichten. Sofern sie den Sonnenstrom ins Netz einspeisen, erhalten sie dafür künftig eine geringe Vergütung.

PV-Anlagen mit bis zu 30 kW Leistung werden in Zukunft von der EEG-Umlage, die im §60 Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) definiert ist, befreit. Bisher war die Befreiungsgrenze auf PV-Anlagen mit bis zu zehn kW beschränkt. Durch die neue Regelung wird es für Betreiber von Solaranlagen attraktiver, einen größeren Teil der verfügbaren Dachfläche mit Solarmodulen zu belegen. Eine Photovoltaik-Pflicht für neue Wohn- und Gewerbegebäude, die einige Städte und Kommunen bereits eingeführt haben, ist in der EEG-Novelle hingegen nicht vorgesehen.

 

Entschärft worden ist das Gesetzesvorhaben, eine Ausschreibungspflicht für mittelgroße Dachanlagen ab 100 kW einzuführen. Eine Ausschreibungspflicht wird auch künftig erst ab einer Leistung von 750 kW Leistung verlangt. Für mittelgroße gewerbliche Anlagen mit über 300 kW Leistung, die nicht an Ausschreibungen teilnehmen, verschlechtern sich die Rahmenbedingungen. Die Gewerbebetriebe können zwar den PV-Strom für ihren Eigenverbrauch nutzen, aber sofern sie ihn ins Netz einspeisen, besteht nur für die Hälfte des erzeugten Stroms Anspruch eine EEG-Vergütung. Für Unternehmen, die ihren produzierten Strom nicht selbst nutzen, ist die Installation von PV-Anlagen nicht rentabel, wenn nur 20 bis 40 Prozent ihres Solarstromertrags vergütet werden.

Die EEG-Umlage, mit denen erneuerbaren Energien gefördert werden, sinkt 2021 auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde. Durch die CO2-Bepreisung für Verkehr und Gebäude steigen ab 2021 die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl.

 

Der Löwenanteil an erneuerbaren Energien wird in Deutschland bislang mit Windenergie erzielt. Nach den Erhebungen des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland bis zum 17. Dezember 2020 bei 50,5 Prozent. Mit Windenergie sind 135 Terawattstunden (TWh) erzeugt worden, was 26,6 Prozent der gesamten öffentlichen Nettotromerzeugung in Deutschland entspricht. Der Solarstrom lag mit 50 TWh bei 10,6 Prozent.

 

Für das Jahr 2021 rechnen die Übertragungsnetzbetreiber mit einem Nettozubau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen in Höhe von 5,1 GW, der primär aus dem wachsenden Zubau von PV-Anlagen resultiert. Den Prognosen zufolge wird der Zubau der Windenergie hinter den Zielen zurückbleiben. Die erwartete Erzeugungsmenge aus erneuerbaren Energien für das Jahr 2021 wird sich nach den Berechnungen der Bundesnetzagentur auf 228 TWh belaufen, mit denen an der Strombörse voraussichtlich Vermarktungserlöse in Höhe von rund 7,2 Mrd. Euro erzielt werden.