Solarstrom vom Kinodach

Best Practice-Beispiel

Im Central & Union Filmtheater in Ludwigsburg können die Besucher anhand eines Zählers verfolgen, wie viel Solarstrom durch die auf dem Dach befindliche Photovoltaikanlage generiert wird. Das Traditionshaus nutzt mehr als die Hälfte des selbst produzierten Ökostroms. Der Rest wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Mit der PV-Anlage, die auf eine Leistung von 63 kWp ausgelegt ist, werden jährlich rund 53 Megawatt erzeugt.

 

Bislang war die Installation einer Photovoltaikanlage in dem Kinobetrieb an der Einspeisung und den Kosten gescheitert. „Die Stadtwerke sind auf uns zugekommen und haben mir ein Modell vorgelegt, wie ich die Hälfte meiner Dachfläche in einer Ost-West-Ausrichtung zur Verfügung stellen kann“, berichtet Claus Wollenschläger, Inhaber des Central & Union Filmtheater. Zunächst wurde das Dach ausgemessen und die Anzahl der benötigten Photovoltaikmodule ermittelt.

 

Um zu kalkulieren, wann der Strom produziert und wann er in welcher Höhe verbraucht wird, erfolgte eine Analyse der Lastgänge vom gesamten Kino. „Das Ergebnis wurde mit der Energiekurve der Photovoltaikanlage abgeglichen, um die Eigenverbrauchsquote und die Unabhängigkeitsquote zu errechnen“, erläutert Wollenschläger. „Die Eigenverbrauchsquote gibt Aufschluss darüber, wie hoch der Anteil des produzierten Stroms ist, den wir selbst verbrauchen.“ Im Fall vom Central & Union Filmtheater liegt diese bei 62 Prozent. „Das heißt, dass wir 62 Prozent unseres Stroms selbst nutzen und 38 Prozent ins Netz einspeisen, was vergütet wird.“

 

Daraus ergibt sich eine Unabhängigkeitsquote von 18 Prozent Stromeinsparung, die nicht mehr aus anderen Energiequellen gedeckt werden muss. „Wir beziehen Ökostrom, aber dadurch sparen wir den Strom, der an anderer Stelle hergestellt wird. Die durch die Photovoltaikanlage eingesparten Stromkosten und die Einspeisevergütung für den ins Netz gespeisten Strom müssen den Kosten für die PV-Anlage gegenübergestellt werden.
„Das Modell ist auf 30 Jahre angelegt, aber wir zahlen nur 18 Jahre lang die Beträge für die Module“, sagt der Kinobetreiber. „Danach fallen nur noch Service-Gebühren für Wartung und Reparatur an.“ Da mit einer Steigerung der Energiepreise zu rechnen ist, kann mit der Anlage langfristig sogar Gewinn erwirtschaftet werden.

 

Für die Photovoltaikanlage musste der Kinobetreiber keine Investitionen tätigen. „Die Anlage ist nur von einem Elektriker an den vorhandenen Hausanschluss angeschlossen worden“, erklärt Wollenschläger. „Zudem hat ein Statiker überprüft, ob die Dachkonstruktion eine Photovoltaik-Anlage trägt, was bei einem hundert Jahre alten Gebäude in der Regel kein Problem ist.“

 

Die Planung, Montage und Finanzierung der Anlage, die nach 18 Jahren in den Besitz des Kinos übertragen wird, haben die Stadtwerke in Ludwigsburg übernommen. „In unserem Fall wird die Anlage nur durch die Einspeisevergütung staatlich gefördert“, resümiert Wollenschläger. „Es muss jeder selbst kalkulieren, ob sich das für ihn rechnet.“